logo

Darfst du überhaupt glücklich sein?

logo

Als ich diese Frage einer Klientin stellte, hörte sie für einen Moment auf zu atmen.

Sie öffnete sprachlos ihren Mund.

Dann fing sie an zu weinen.

Es waren erst drei Minuten im Vorgespräch vergangen.

Und wir waren schon in einem tiefen Prozess.

Mit dieser kleinen Frage.

In Aufstellerkreisen ist die „Darfst du … überhaupt …?“-Frage eine Art „Jokerfrage“.

Hiermit lassen sich gut innere Konflikte im Klienten aufzeigen.

In unserem Fall z. B. Loyalitätskonflikte zum Familiensystem, wenn es allen anderen schlecht geht.

Bei einer Triangulierung (sehr ungesunde Verstrickung mit dem gegengeschlechtlichen Elternteil) kann sehr schnell mit dieser Frage das Thema aufgezeigt werden (wenn die Tochter Papas Liebling ist, ist der Platz für eine glückliche Beziehung mit einem Mann besetzt).

Auch innerseelische Konflikte – frei interpretiert nach Friedemann Schulz von Thun „Das innere Team“ (Link zum Buch auf amazon) – können so ans Tageslicht geholt werden.

Wenn z. B. ein Seelenanteil Künstler werden will, der andere fürchtet, wegen seiner „brotlosen Kunst“ in Schwierigkeiten zu kommen.

 

Nutze einmal selbst die Macht dieser Frage:

  1. Ziehe dich zurück an einen Ort, wo du für die nächste Zeit ungestört bist.

 

  1. Sprich die Frage leise aus: „Darf ich überhaupt glücklich sein?“

 

  1. Antworte dir nicht gleich, sondern lass die Frage wirken.

 

  1. Wie fühlt es sich an, diese Frage zu stellen (blöd, gut, peinlich, verärgernd, traurig …)

 

  1. Welche Gedanken kommen auf?

 

  1. Hast du eine körperliche Reaktion dazu? Spürst du z. B., wie es dir die Kehle zuschnürt oder dein Magen anfängt zu grummeln.

 

  1. Kannst du in die Frage hineinatmen? Auch aus ihr heraus?

 

  1. Kommen dir Bilder in den Kopf von Personen oder Situationen? Wer oder welche?

 

  1. Gib jetzt eine Antwort auf die obige Frage: z. B.

 

  1. Nein …
  2. Ja!
  3. Ich weiß nicht.
  4. Natürlich!
  5. usw.

 

  1. Welche Gefühle löst deine Antwort in dir aus? Sind es dieselben Gefühle wie zu Anfang?

 

  1. Bist du bereit, den hochgekommenen Dingen jetzt deine Aufmerksamkeit zu schenken?

 

  1. Wenn ja, schreibe sie am Besten stichwortartig nieder. Sie sind wertvolle Informationen für eine Aufstellung.

 

  1. Wenn nein: belasse es dabei. Die Zeit scheint noch nicht reif zu sein für diesen Schritt. Behalte es aber im Hinterkopf, um es zu geeigneter Zeit zu bearbeiten – zu deinem Wohl.

 

Der Klientin von oben half diese „Darfst du …?“-Frage, hinter die Kulissen ihrer scheinbaren Beziehungsunfähigkeit zu schauen.

Nachdem wir die Triangulierung mit ihrem Vater gelöst hatten, war sie endlich frei für einen wunderbaren Partner, mit dem sie meines Wissens noch heute zusammen ist.

 

 

FAZIT:

Kleine Frage, große Wirkung.

Wir Familiensteller versuchen dir mit einfachen Fragen zu helfen, deinen inneren Konflikten auf die Spur zu kommen.

Nur weil die Fragen einfach sind, heißt das nicht, dass sie banal oder unwichtig sind.

Parsifal stellte die Frage „Wozu dient der Gral?“ nicht und musste lange Jahre auf der Suche nach dem verborgenen Schloss der Tempelritter warten, bis er reif für eine neue Chance war.

Wann du für diese Fragen reif bist, entscheidest am besten du selbst – es ist dein Leben und dein Schicksal.

Wie sieht es bei dir aus?

Einen Kommentar schreiben

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

logo
logo
Powered by WordPress | Designed by Elegant Themes