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Micro Expressions – was flüchtige Gesichtsausdrücke dem Familiensteller verraten

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© Robert Kneschke - Fotolia.com

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„Ulrike, erzähle mir von deiner Situation!“

Wir sind mitten im Vorgespräch.

Sie beginnt, wie schlecht es ihr geht, wie unverstanden sie sich fühlt und dass an allem hauptsächlich ihre Eltern schuld sind.

Als sie genauer auf die Eltern eingeht, huscht für den Bruchteil einer Sekunde ein hämisches Grinsen über ihr Gesicht …

Oje, wahrscheinlich hat sie ein Racheprogramm laufen …! geht es mir durch den Kopf.

Andere Situation:

Petra hat Schulden und weiß weder ein noch aus.

Doch als sie mir erzählt, dass alle in ihrer Familie Schulden haben, lächelt sie für einen kurzen Moment.

Das geheime Glück der Bindungsliebe …! So sieht das also aus …, denke ich bei mir.

Zwei unterschiedliche Situationen, beide Male ein Lächeln, das unterschiedlicher nicht sein könnte.

Zum Glück wurde ich auch in Paul Ekmans (http://de.wikipedia.org/wiki/Paul_Ekman ) Erkennung von kurzzeitigen, emotionalen Gesichtsausdrücken geschult, den sogenannten Micro Expressions.

So kann ich versuchen, diese zu interpretieren.

Paul Ekmans Erkenntnisse

Ekman geht von 7 Basisemotionen aus, die unabhängig von Kultur und Erziehung bei allen Menschen auf der Welt gleich sind:

  1. Wut
  2. Verachtung
  3. Fröhlichkeit
  4. Traurigkeit
  5. Ekel
  6. Furcht
  7. Überraschung.

Bei Überraschung und Furcht sind sich die Gesichtsausdrücke anfänglich sehr ähnlich, wobei bei der Überraschung schnell eine Entspannung der Gesichtszüge erfolgt.

Auf der Webseite von Paul Ekman (http://www.paulekman.com/ in Englisch) kann man anhand von Bildern etwas trainieren. Um tiefer einzusteigen, wird es dann kostenpflichtig.

Sehr empfehlenswert für den Einstieg ist sein Buch „Gefühle lesen: Wie Sie Emotionen erkennen und richtig interpretieren“ (hier auf Amazon: KLICK).

Hierin beschreibt Ekman den Weg seiner Erkenntnisse vom Dschungel von Papua-Neuguinea bis zum US-amerikanischen Alltag.

Dass er heute sowohl den Geheimdienst, Flughafen-Sicherheitspersonal als auch die Macher der Fernsehserie „Lie to me“ berät, spricht trotz aller Kritik an seinem Ansatz für ihn.

© lassedesignen - Fotolia.com

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Anwendung beim Familienstellen

Wichtig für das Familienstellen ist, dass sich schon frühzeitig im Vorgespräch das Unterbewusstsein mit den Micro Expressions zu Wort meldet, sodass der Aufstellungsleiter erahnen kann, worum es hinter der Fassade wirklich geht.

Denn – wie im obigen Fall von Ulrike – ein Racheprogramm zu erkennen, ist äußerst schwierig (siehe dazu ausführlicher in meinem Buch „Familienstellen und Geldmangel“ – hier auf Amazon: KLICK ).

Natürlich funktioniert das Lesen der Micro Expressions nicht immer.

Wir Menschen lassen uns leicht von Worten und Umständen ablenken.

Das zweite Beispiel oben von Petra und ihren Schulden wurde schon von Hellinger früh erkannt und beschrieben.

Das geheime Glück der Bindungsliebe“ zur Familie sorgt dafür, Dinge zu tun oder zu ertragen, um dazuzugehören, die von außen betrachtet nicht nachvollziehbar sind.

Wie z. B. Schulden machen oder in Armut zu leben.

 

Besonders wichtig innerhalb der Aufstellung ist es, die Ausdrücke von Verachtung zu erkennen (aufschlussreiche Fotos dazu in Ekmans oben erwähntem Buch).

Hier geht es um die Stellung der Augenbrauen.

In vielen Aufstellungen gibt es nämlich Probleme im Bereich Achtung von Männern gegenüber Frauen und umgekehrt.

Verachtung wird sehr oft versteckt und nur unterschwellig ausgedrückt.

Natürlich erkennt ein versierter Familienaufstellungsleiter nach einiger Zeit diese Gefühle ebenfalls.

Mit der Kenntnis der Micro Expressions geht alles aber viel, viel schneller, sodass die Klienten viel schneller auf den Punkt gebracht werden, wo Lösung und Heilung beginnen können.

Das Anheben der Nasenflügel verrät uns Ekel.

Es kann ein Indikator für Missbrauch sein, der sehr stark verdrängt ist.

Dass weit aufgerissene Augen auf Furcht oder Überraschung hinweisen, ist für uns relativ leicht zu erkennen.

Ebenso die Freude und Fröhlichkeit, wenn wir nicht auf das Lächeln, sondern auf die Muskeln um die Augen dabei schauen.

Traurigkeit liest sich gut an Augen und herabhängenden Mundwinkeln ab.

Und Wut sehen wir so häufig, dass wir sie schon anhand der funkelnden Augen erkennen können.

Wichtig ist hierbei, dass es bei all dem um unwillkürliche Ausdrücke von weniger als einer Sekunde geht, die uns die tatsächlichen Emotionen zeigen.

Dass wir alle mehr oder minder guter Schauspieler sind und unsere Mimik zu beherrschen versuchen, geht auf die soziale Erwünschtheit unserer Umgebung zurück.

Denken wir nur an das japanische Lächeln.

 

Fazit:

Micro Expressions zu kennen, zu erkennen und richtig interpretieren zu können ist eine hilfreiche Fähigkeit im Aufstellungsalltag.

Natürlich geht es auch ohne dieses Wissen.

Es erleichtert jedoch vieles und spart eventuell Zeit auf dem Weg zu Lösung und Heilung.

Du kannst das übrigens gut zuhause am Spiegel üben.

Es wird ein tieferes Verständnis deiner Mitmenschen nach sich ziehen, wenn du die kurzzeitigen Signale entschlüsseln kannst.

Viel Spaß beim Entdecken!

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