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Traumaaufstellungen – Wie gestaute Energie endlich abfließen kann

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© VeSilvio - Fotolia.com

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„Ich war gerade 18 Jahre geworden, als ich mit Freunden auf dem Flugtag von Ramstein war.

Ein wunderschöner Sommertag begrüßte uns am Morgen des 28. August 1988.

Dann passierte das Unglaubliche: Wir waren sehr zentral ganz weit vorne in der Mitte, weil wir den Flugzeugen so nah wie möglich sein wollten.

Unsere Schaulust hat uns das Leben gerettet.

Denn dort links, wo wir zuvor gestanden und uns mit anderen unterhalten hatten, flog der abstürzende Flieger in die Menge und tötete 70 Menschen und fast 1.000 Leute wurden verletzt …“

Markus erzählt das mit wenig Emotionen, fast wie eine Nebensächlichkeit.

© Evgene Gitlits - Fotolia.com

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Doch er weiß, dass es mehr als 20 Jahre später immer noch sein Leben beeinflusst, was er dort erlebt hat.

Markus hat sich zu einer der seltenen Traumaaufstellungen angemeldet.

 

Ich möchte hier kurz in geraffter Version Wikipedia zitieren, was genau ein Trauma ist und wie es festgestellt werden kann:

Definition

„Fischer und Riedesser definieren Trauma in ihrem Lehrbuch der Psychotraumatologie (München, 1998, S. 79.) als:

„[…] ein vitales Diskrepanzerlebnis zwischen bedrohlichen Situationsfaktoren und den individuellen Bewältigungsmöglichkeiten, das mit Gefühlen von Hilflosigkeit und schutzloser Preisgabe einhergeht und so eine dauerhafte Erschütterung von Selbst- und Weltverständnis bewirkt.“

Traumatisierende Ereignisse

Ereignisse, welche häufig zu Traumatisierungen führen, sind beispielsweise:

Naturkatastrophen, Krieg, Kampfeinsatz, Folter, Vertreibung, terroristischer Anschlag, Vergewaltigung, Unfall mit drohenden ernsthaften Verletzungen, Traumata durch medizinische Eingriffe, sexueller Angriff oder sexualisierte Gewalt, Beobachtung des gewaltsamen Todes anderer, Tod der Eltern in der Kindheit, Verlust der geliebten Person und/oder der eigenen Kinder, lebensbedrohliche Krankheiten in der Kindheit, ausgeprägte emotionale oder körperliche Vernachlässigung in der Kindheit … (siehe auch Kindheitstrauma).

Aber auch weniger dramatisch erscheinende Ereignisse können im ungünstigen Fall dazu führen, dass ein Mensch in den Zustand intensiver Hilflosigkeit gerät und die eigenen Bewältigungsmöglichkeiten hierdurch überschritten werden. Als Beispiele können hier genannt werden:

Schwere persönliche Angriffe und Schmähungen, lang andauernde Manipulation, Mobbing, emotionaler Missbrauch, körperliche Züchtigung, Scheidung oder Trennung, Konfrontation mit Traumafolgen als Helfer, traumatisierendes Geburtserleben …

Ob eine Situation traumatisch wird, hängt nicht nur von den äußeren Umständen, sondern auch sehr stark vom inneren Erleben dieses Ereignisses ab. Ein Verschütteter, der in dem festen Glauben ist, dass Hilfsmannschaften rechtzeitig zu ihm durchdringen werden, wird noch nicht unter der akuten Todesangst und dem gleichen Stresshormonpegel stehen wie ein Verschütteter, der sich alleine und vollkommen hilflos fühlt, da er von den eingeleiteten Rettungsmaßnahmen noch gar nichts mitbekommen hat. Ein Arzt, welcher berufsbedingt gewohnt ist, schwere Verletzungen zu sehen, wird auch bei Anblick eines schweren Verkehrsunfalls nicht in den Zustand von Hilflosigkeit gedrückt, sondern hat zuvor in einem persönlichen und guten Kontakt zusammen mit anderen Medizinstudenten gelernt, Distanz zu dem Leid von Menschen zu wahren, Wörter hierfür zu finden und kann folglich dieses Ereignis schneller einordnen. Er wird nicht von den grauenhaften Bildern der Unfallstelle sprachlos überwältigt und er wird sich nicht alleine und schutzlos diesen Bildern ausgeliefert fühlen. Ob ein Mensch aufgrund einer traumatischen Situation mit einer psychischen Störung reagiert und welches Krankheitsbild danach im Vordergrund steht, hängt meistens sehr von den persönlichen Bewältigungsmöglichkeiten und vielen weiteren Faktoren ab. Es gibt allerdings auch Ereignisse, die fast immer zu einem psychischen Krankheitsbild führen. Nach Folter erholt sich fast niemand von alleine, und nach einer Vergewaltigung erholt sich nur ein Viertel der Betroffenen von alleine.

Symptome und Verhaltensweisen

Zu den typischen Hauptsymptomen nach Traumatisierungen gehören:

– Immer wiederkehrende Ängste in Zusammenhang mit dem erlebten Ereignis

– Hyperarousal (vermehrte Wut; Konzentrationsschwierigkeiten; gestiegene Wachsamkeit gegenüber Gefahrenreizen; leichte Erschreckbarkeit)

– Auch wenn Traumatisierte innerlich ständig unruhig und schreckhaft sind, tritt äußerlich ein stark kontrollierendes Verhalten zutage (da das Trauma als ein extremer Kontrollverlust erlebt wurde)

– emotionale Taubheit (Fähigkeit sich zu freuen, zu lieben oder zur Trauer ist eingeschränkt)

– gedankliche Vorwegnahme des Schlimmsten, um nicht wieder überrascht zu werden, was von der Umwelt als eine nervige Art von Dauer-Pessimismus erlebt wird,

– unverhältnismäßig heftige Reaktionen auf äußere oder innere Einflüsse (durch Trigger ausgelöst): beispielsweise Panikattacken, Angsterkrankungen, Zwangserkrankungen, selbstverletzendes Verhalten und Abhängigkeitssyndrom können ein Merkmal einer durch ein Trauma verursachten psychischen Störung sein, ebenso wiederkehrende Albträume und dissoziative Zustände.

– Intrusionen mit ihrer Extremform, den Flashbacks, die – durch bestimmte Schlüsselreize ausgelöst – die Erinnerung an das zurückliegende Trauma erneut wachrufen.

Avoidance (Vermeidenwollen von Gedanken und Gefühlen, die an das Trauma erinnern könnten; Vermeiden des Traumaortes oder nicht mehr aus dem Haus gehen; Vermeiden von schmerzhaften Erinnerungen durch Dissoziation oder durch Teilamnesien)

– Schlüsselreize wie zum Beispiel ähnliche Gerüche, Geräusche, Bilder, Filme aber auch Jahrestage können Erinnerungen an die traumatische Situation auslösen.[14] Diese Schlüsselreize können bis ins hohe Alter bestehen bleiben. Die Traumatisierten werden dabei hauptsächlich emotional an das Trauma erinnert (meist in Form von Ängsten). Zum Beispiel kann das Geräusch eines Silvesterknallers bei einem Menschen, der als Kind einen Bombenangriff miterlebt hat, panische Angst auslösen, auch wenn das traumatische Ereignis nicht mehr bewusst erinnert wird.

Bei vielen Menschen bilden sich diese Symptome einige Zeit nach dem traumatisierenden Ereignis zurück (Remission), und das traumatische Erlebnis kann normal in den Lebenslauf integriert werden. Bei einigen Menschen kann jedoch die psychische Gesundheit durch die Selbstheilungskräfte auch nach langer Zeit nicht wiederhergestellt werden und es kommt zur Herausbildung von möglicherweise sehr schwerwiegenden traumabedingten Folgestörungen. Diese können sich auch erst Monate oder Jahre nach dem traumatisierenden Ereignis bemerkbar machen und unter Umständen mit veränderten Hirnaktivitäten und neuroanatomischen Veränderungen einhergehen.“

Soweit Wikipedia.

Bei Markus zeigte sich das Trauma vor allem durch sehr stark kontrollierte, rigide Verhaltensweisen, die aber nach maximal zwei Jahren in sich zusammenbrachen, er in starke Depressionen und Handlungslähmungen verfiel und Kraft sammeln musste, um wiederum den nächsten Zwei-Jahres-Zyklus zu beginnen.

Somit konnte er weder ein Studium oder Ausbildung beenden, noch dauerhaft längere Beziehungen führen.

Wir hatten schon zwei Aufstellungen zuvor. In der Ersten haben wir zwei wichtige Ressourcen in diesem Zusammenhang herausgearbeitet: seine Großmutter mütterlicherseits und den Wald.

Ressourcen sind unterstützende Kraftquellen, die von innen, also vom Menschen selbst, oder von außen kommen können. Sie müssen nicht immer gleich sein, sondern sie können sich kontext- und situationsabhängig ändern.

In der zweiten, vorbereitenden Aufstellung haben wir die Situation (das Setting) von damals in Ramstein aufgebaut und Markus‘ Stellvertreter mit den beiden Ressourcen die Szenerie anschauen lassen.

Dabei war eine Assistentin neben Markus im Stuhlkreis, während ich mit dem Stellvertreter im Kreis gearbeitet habe.

Diese Vorsichtsmaßnahme ist sinnvoll, denn sowohl bei Markus selbst als auch bei seinem Stellvertreter kann es zu einer Akut-Trauma-Entladung kommen – auch gleichzeitig bei beiden –, wenn die Gefühle überwältigend werden.

In der jetzigen, dritten Aufstellung zu dem Thema ist Markus von Anfang an selbst in der Aufstellung, begleitet von einer Stellvertreterin für seine Großmutter links und einen Stellvertreter für den Wald rechts neben ihm.

Wir haben symbolisch einen Stellvertreter für ein Opfer der Katastrophe etwas weiter weg vor ihm auf dem Boden gelegt.

Markus 1

M=Markus, GM=Großmutter (Ressource 1), W=Wald (Ressource 2)

L=Aufstellungsleiter, P=Petra (Assistentin)

L: Markus, fühlst du dich sicher mit den beiden Ressourcen an deiner Seite?

M: Ja.

L: Bist du bereit, dich ganz vorsichtig den Ereignissen von damals in Ramstein zu stellen?

M: Ja. Mir ist aber auch flau im Magen.

L: Das ist OK und angemessen. Petra hat hier Kissen und Decken, wenn es bei dir akut wird. Wollen wir fortfahren?

M: Ja.

L: OK. Geh jetzt bitte immer nur einen kleinen Schritt auf das Opfer zu. Halte nach jedem Schritt an und berichte mir, wie es dir geht. Zwinge dich zu nichts und du weißt, dass du jederzeit abbrechen kannst und die Aufstellung trotzdem ein Erfolg ist für deinen Weg zur Heilung. Dein erster Schritt, bitte …

Markus geht einen kleinen Schritt vorwärts, atmet schwer und lässt sich von den Ressourcen kurz stützen.

L: Wie geht es dir jetzt?

M: Es ist anstrengend. Ich habe Angst, aber es gibt auch eine kleine Neugier in mir, was dort bei dem Opfer ist.

Wir warten ein paar Minuten bis zum nächsten Schritt. Es spielt sich dasselbe ab bis zur Hälfte des Weges. Dann stockt Markus.

L: Was ist bei dir?

M: Es wird mir zu viel …

Markus weicht einen Schritt zurück und verdreht die Augen. Ich fange ihn auf und Petra bringt schnell die Kissen und Decken, während ich ihn mithilfe der Ressourcen auf den Boden geleite.

Wir sind in der Akut-Trauma-Phase angekommen.

Markus zittert und strampelt mit den Beinen.

Er weint und schreit immer wieder aufstöhnend und will irgendetwas sagen, was unverständlich bleibt.

Die Stellvertreter der Ressourcen halten ihn sanft an den Schultern, ohne seine heftigen Bewegungen am Boden zu behindern.

Jetzt entlädt sich die seit mehr als 20 Jahren gestaute Energie des Traumas.

Mehr als 15 Minuten folgen Zittern, Weinen und Zuckungen aufeinander.

Schließlich verstehen wir, was Markus sagen will.

M: Ich … darf … nicht hin … helfen … retten … die Soldaten … lassen mich … nicht hin …

Schließlich beruhigt sich Markus und sein Blick wird klarer.

L: Was hast du damit gemeint, dass die Soldaten dich nicht hinlassen?

M: Es war damals so, dass mein erster Impuls war, den Menschen helfen zu wollen. Aber die amerikanischen Soldaten haben uns von der Unfallstelle weggedrängt.

L: Ich verstehe. Du hattest einen starken Impuls zu helfen gefühlt und konntest ihn nicht ausführen?

M: Ja.

L: Damals nicht, aber heute in der Aufstellung schon. Traust du es dir zu, mithilfe der Ressourcen zum Opfer zu gehen?

M: Äh, ja. Ja, ich will!

Er steht auf und geht langsam und vorsichtig zum Opfer und kniet dort.

Weitere Tränen laufen an seinen Wangen herab.

Doch die Atmosphäre ist insgesamt gelöster im Raum. Ein Friede kehrt ein.

Markus 2

L: Nimm dir noch etwas Zeit und verabschiede dich. Steh dann auf. Es ist alles getan.

Markus steht nach einiger Zeit auf.

L: Dreh dich jetzt um und gehe langsam zurück zu deinem Anfangspunkt zu Beginn der Aufstellung.

Markus und die beiden Ressourcen gehen langsam zurück.

Markus 3

L: Schau hier mal auf die leere Wand. Das ist die Zukunft. Ramstein liegt in der Vergangenheit hinter dir. Fühl da jetzt mal rein.

Markus schaut auf die Wand und macht noch einen kleinen Schritt vor, weg von den Ressourcen.

L: Wie geht es dir jetzt?

M: Gut, aber ich bin erschöpft.

L: Brauchst du noch etwas oder können wir es so stehen lassen?

M: Es ist gut so.

Wir beenden die Aufstellung.

Markus hat eine traumatische Erfahrung gemacht, die sein Leben nachhaltig verändert hat. Das Tragische dabei ist, dass er von seiner Rettermentalität her den schrecklichen Bildern eigentlich gewachsen gewesen wäre, aber durch die amerikanischen Soldaten zur Untätigkeit verdammt wurde (ohne diese zu verurteilen – sie handelten auf Befehl und taten ihr bestes, um professionellen Helfern den nötigen Raum zu schaffen).

Wahrscheinlich erst dadurch, nichts tun zu können und zu dürfen, verfestigte sich das Trauma.

Wie in vielen Fällen von Katastrophen gezeigt werden konnte, leiden die mit an den wenigsten Spätfolgen, die besonders viel tun konnten – sei es anderen zu helfen, sei es sich selbst aktiv mit Muskelkraft zu befreien.

Der zweite wichtige Punkt hier in der Aufstellung ist das Entladen der durch das Trauma zum Stehen gekommenen Energie.

Sowohl Peter Levine (Somatic Experiencing ) als auch Arthur Munyer (Neural Somatic Integration ) weisen immer wieder darauf hin, wie wichtig es ist, die durch das Trauma im Körper aufgestaute Energie zu entladen.

Levine hat das am Beispiel der Gazelle, die von einem Geparden gejagt wurde, auf den Menschen übertragen: die Gazelle „entzittert“, sobald sie außer Gefahr ist, und kann ihr Leben einfach weiterleben. Beim Menschen passiert das leider nicht automatisch, sodass es später nachgeholt werden muss.

In Kriegsgebieten hat man gute Erfahrungen mit selbst-induziertem Zittern gemacht.

Der letzte wichtige Punkt in Zusammenhang mit traumatischen Erfahrungen ist das Überschreiben der Erfahrung mit positiven, neuen Erfahrungen.

In der Aufstellung von Markus haben wir das fiktiv getan, indem wir Markus zu dem Opfer haben gelangen lassen.

Damit konnte der ursprüngliche Impuls zu seinem Ziel gebracht werden.

Das ist auch einer der großen Vorteile einer Traumaaufstellung dieses Musters: es gibt vielfältige Möglichkeiten der Überschreibung von Erfahrungen und Mustern.

Die traumatische Erfahrung wird immer da bleiben.

Das ist aber grundsätzlich nicht schlimm. Denn wir können – vor allem in Aufstellungen – dafür sorgen, dass sie nach und nach verblassen können.

Aufstellungserfahrungen wirken wie Erfahrungen im „echten“ Leben.

Das liegt an der Gefühlsdichte in Aufstellungen. Traumaopfer tun gut daran, immer mal wieder an Aufstellungen aller Art teilzunehmen, um in Rollen als Stellvertreter andere Erfahrungen zu machen.

 

Noch ein letzter Tipp:

Trauma-Betroffene sollten möglichst viel Körperarbeit machen.

Einerseits besteht die Chance, dass sich so schon etwas von der durch das Trauma gespeicherten Energie löst und andererseits geht mit Traumatisierungen oft eine Entfremdung mit dem Körper einher.

Seine körperlichen Grenzen aktiv zu spüren ist eine heilsame Methode, um auf natürliche Weise Traumafolgen abzumildern.

Hierzu eignen sich besonders gut: Yoga, Laufen/Joggen, Pilates, Kieser-Training, Tanzen, Kampfsport, Alexander-Technik.

Passiv unterstützend: Massage, Streicheln, alle Arten von Klopftechniken (z. B. EFT), Klangschalen-Behandlungen, Ayurveda usw.

 

Dieser Beitrag ist ein Auszug aus meinem Buch „Familienstellen und TraumaMit Geduld, Liebe, Achtsamkeit und Sanftmut traumatische Erfahrungen heilsam transformieren

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4 Antworten : Traumaaufstellungen – Wie gestaute Energie endlich abfließen kann”

  1. Hallo Marc,
    das ist so gut geschrieben, dass mir die Worte fehlen.
    Vielen vielen lieben Dank dafür.
    Diese Arbeit ist so heilsam und achtsam durchgeführt und beschrieben. Gefällt mir sehr. Ohne Drama und ohne Patos.
    Ich setze deinen Newsletter auf meine Facebookseite.
    Der muss wirklich raus in die Welt 🙂
    Alles Liebe dir und hoffentlich bis bald mal ganz persönlich
    Christine

    • OCABM sagt:

      Liebe Christine,
      danke für das Teilen auf Facebook!
      Sicherlich wird sich bald eine Gelegenheit ergeben, sich persönlich kennen zu lernen.
      Namaste
      Marc

  2. Lieber Marc,
    Das ist wieder sehr berührend beschrieben und ich stimme Deiner Vorgehensweise und den Beschreibungen, wie mit Aufstellungen ein Trauma bearbeitet werden kann absolut zu. Ich habe selbst viele Menschen begleiten dürfen und als Leiter von Außen erlebt, was Du hier in der Akut-Trauma Phase beschreibst.

    Im Moment hat mich besonders meine individuelle Erfahrung mit meinen eigenen Traumata und deren Aufarbeitung berührt. Ich erinnere mich an die vielen Moment in den Jahren, die mein Heilungsweg gedauert hat. Die Momente, wo ich noch einmal gefühlt habe und auch die körperlichen Reaktionen, die allesamt von Außen als extrem heftig bezeichnet werden können und die ich, obwohl äußerlich im Krampfanfall und teilweise nicht mehr ansprechbar, als die heilsamsten Moment meines Lebens bezeichnen würde.
    Leider habe ich nicht alle dieser Momente mit erfahrenen Aufstellungsleitern erleben dürfen. Einige habe ich ‚einfach‘ mit einem guten Freund durchgestanden. Dieser konnte mir das positive Überschreiben nicht ermöglichen, weil ihm die Erfahrung fehlte und mir in dem Moment die Kraft fehlte, mich zu erinnern, dass das eine gute Idee ist. 🙂
    Dennoch habe ichmir Stille und den Frieden erlebt im Anschluss – aber auch ein gewisse Leere. Dort, wo vorher ganz viel war, wenn auch Schreckliches, war nun Nichts mehr. Und ich spüre noch immer in manchen Bereichen, wenn auch wenigen, diese Leere.
    Was hläst Du davon, da in einer Aufstellung noch einmal nachzuarbeiten? Und wenn, wie fängt man dann an? Mit dem leeren Raum? Oder doch mit dem Trauma?
    Liebe Grüße an Dich
    Beatrice

    • OCABM sagt:

      Liebe Beatrice,
      danke für Deine Zeilen und dass Du Deine Erfahrungen mit uns teilst!
      Zu Deinen Fragen:
      Ob eine nochmalige Aufstellung oder Nachbearbeitung nötig ist, lässt sich pauschal und auf die Entfernung hin nicht sagen. Ich habe von meinem Ausbilder Wolfgang Bracht gelernt, möglichst mit allerkleinsten Schritten zu beginnen und wirklich Baby-Steps zu machen. Dass kann erst im leeren Raum beginnen, kann aber auch schon das alleinige Sichten des Traumas sein. Es ist sehr individuell und auch sehr von der augenblicklichen Stabilität des Betroffenen abhängig.
      Was ist bei Dir, wenn Du vorsichtig in Dich reinspürst, für ein Gefühl da? Braucht es noch Zeit oder eher eine Nachbearbeitung? Oder braucht es vielleicht nur neue, nährende, positive Erfahrungen, die helfen, das Trauma/die Traumata zu überschreiben?
      Um das wirklich beurteilen zu können, müssten wir uns länger in einem geschützen Rahmen unterhalten.

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