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Verdeckte Aufstellung: wie Unwissenheit zu Lösungen beiträgt

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© Sophie - Fotolia.com

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„Können wir das so aufstellen, dass ich mich nicht selbst veräpple?“, fragt Thekla.

„Du befürchtest, dass du die Aufstellung verfälschst?“

„Ja!“

„OK, wir können eine verdeckte Aufstellung machen. Dann kannst du ziemlich sicher sein, dass keiner direkten Einfluss nimmt.“

Ursprünglich wurden verdeckte oder anonyme Aufstellungen durchgeführt, damit entweder jemand mit großem Schamgefühl doch in und mit einer Gruppe arbeiten kann oder um – gerade im Kontext von Firmen und Organisationen – keine Betriebsgeheimnisse oder Interna nach außen gelangen zu lassen.

Sie wird aber auch mittlerweile bei Themen und Anliegen verwandt, die stark polarisierend sind bzw. wovon jeder direkt oder indirekt betroffen ist und es schwer ist, zu einer neutralen Haltung zu gelangen (am Beispiel ‚Essen‘ wird das weiter unten gezeigt).

Es gibt auch halbverdeckte Aufstellungen und ‚Doppelblind‘-Aufstellungen.

 

Charakteristika von verdeckten Aufstellungen

Meist weist der Aufstellungsleiter den Stellvertretern Nummern, Buchstaben oder Symbolnamen vor dem Aufstellen zu.

Bei einer verdeckten Aufstellung wissen die Stellvertreter weder das Thema oder Anliegen, das aufgestellt wird, noch wissen sie, für wen in der Aufstellung sie stehen.

Ein ‚typisches‘ Beispiel hierfür sind manche Erbangelegenheiten (da verdeckte Aufstellungen sehr selten durchgeführt werden, fällt es mir nicht leicht hier von ‚typisch‘ zu schreiben …).

Bei einer halbverdeckten Aufstellung ist zwar das Anliegen oder Thema bekannt, aber die Stellvertreter wissen nicht, wen sie verkörpern.

Mobbing am Arbeitsplatz wird manchmal in einer halbverdeckten Aufstellung betrachtet.

Bei einer ‚Doppelblind‘-Aufstellung wissen die Stellvertreter weder Anliegen noch wen sie verkörpern. Auch der Aufstellende weiß nicht, für wen die Stellvertreter stehen. Der Leiter der Aufstellung gibt den Stellvertretern z. B. Nummern und merkt sich wer für wen oder was steht und klärt dann den/die Aufstellende/n nach der Aufstellung über die Zuordnung auf.

 

Theklas Aufstellung

Thekla hatte mit mir vorher unter vier Augen mitgeteilt, dass sie gern für sich herausfinden wolle, was die zurzeit beste Ernährungsform für sie wäre.

Sie wollte sich dem Thema langsam annähern und noch nicht zu tief hineingehen. Ihr Übergewicht machte ihr immer wieder zu schaffen.

Für die Aufstellung hatten sich drei Ernährungsformen herauskristallisiert, die sie für sich dauerhaft ausprobieren wollte:

  1. Vollwertige, ballaststoffreiche Ernährung mit Fleisch
  2. Vegetarische Ernährung
  3. Streng-vegane Ernährung

Jetzt ist es so, dass beim Thema ‚Essen‘ fast niemand wirklich neutral ist – mich eingeschlossen. Ich habe selbst mehr als ein halbes Jahr vegan gelebt und bin seit bald 10 Jahren Vegetarier.

Deshalb schlug ich Thekla vor, eine ‚Doppelblind‘-Aufstellung zu machen, damit sogar ich nicht unterschwellig Einfluss nehme auf die Aufstellung (ich bin ja von meinem Vegetarismus sehr überzeugt und halte es für die Lösung aller Ernährungsprobleme und des Klimawandels …).

Das den anderen unbekannte Ziel bzw. die Fragestellung war:

Welche Ernährungsform ist die auf die Zeitspanne von ein bis zwei Jahren gesündeste und bekömmlichste für mich, sodass ich auch gut abnehmen kann?

Also stellte Thekla die drei Stellvertreter auf – alles Frauen –, ohne zu wissen, wer was repräsentierte.

© Gesina Ottner - Fotolia.com

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Zu meinem ‚Leidwesen‘ kam eindeutig heraus, dass die vollwertige, ballaststoffreiche Ernährung mit Fleisch für Theklas Ziel und derzeitige Situation die beste Ernährungsform darstellte. Die Stellvertreterin strahlte sie förmlich an und Thekla fühlte sich durch sie gestärkt.

Die vegane Ernährung war Thekla zwar zugetan, aber war sehr wacklig in der Aufstellung.

Die vegetarische Ernährung hingegen war wenig interessiert an Thekla.

Ich selbst lernte etwas Demut durch diese Aufstellung.

Mein ‚allseligmachender‘ Vegetarismus muss nicht zu allen Menschen gerade passen. Es war ganz gut für mich, das in einer Aufstellung vor Augen geführt zu bekommen.

 

Verdeckte Aufstellungen laufen ansonsten wie ganz normale Aufstellungen ab.

Es können Fragen gestellt werden, die Stellvertreter können ihren Bewegungsimpulsen folgen und lösende Sätze können gesagt oder Rituale durchgeführt werden.

 

Fazit:

Verdeckte Aufstellungen sind ein selten angewandtes Aufstellungsformat bei starken Schamgefühlen, bei stark polarisierenden Themen oder bei der Verschwiegenheitspflicht unterliegenden Interna von bspw. Firmen.

Es unterscheidet sich außer der Unwissenheit der Stellvertreter ansonsten nicht von ganz normalen Aufstellungen.

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