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Belastete Gebäude und Grundstücke: wie Orte dich beeinflussen

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© Pierre-Jean DURIEU - Fotolia.com

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Bettina ist Chefin einer kleinen Agentur für Marketing mit 7 Mitarbeitern in einer mittelgroßen deutschen Stadt. Vor einem halben Jahr ist die Firma aus einem Gründerzentrum in ein neues Gewerbegebiet gezogen.

Das Gebiet wurde im Zuge von Konversion, der Um- und Neugestaltung von ehemals militärisch genutzten Gebieten wie Kasernen und Truppenübungsplätzen, mit Landesmitteln errichtet.

Seit die Firma das neue Gebäude, eine ehemalige umgebaute Kaserne, bezogen hat, „ist der Wurm drin.“

Umsatzrückgang, Streit unter den Mitarbeitern und Unproduktivität belasten das Betriebsklima.

Was ist hier los?

Im weiteren Verlauf des Vorgesprächs kommt noch heraus, dass die Agentur das Gründerzentrum verlassen musste, da sie nur 3 Jahre als „Neugründer“ dort bleiben durften und für eine neue Firma Platz machen mussten.

Nachdem ich abgeklärt hatte, dass es hier keine anderen Verstrickungen von Bettina oder ihren Mitarbeitern gibt, stellten wir folgendermaßen mit Stellvertretern auf:

A=Agentur, GZ=Gründerzentrum (alter Firmensitz), GG=neues Gebäude im Gewerbegebiet, B=Bettina, M1=Mitarbeiter 1, M2=Mitarbeiter 2, HP=Hintergrund der Probleme

Bettina 1

Abbildung 1: Anfangsbild

Es herrscht die „geballte Unordnung“:

Bettina blickt zwar auf das neue Gebäude im Gewerbegebiet, aber die Agentur (A) verdeckt diesen Blick teilweise. Der Stellvertreter der Agentur selbst schaut unschlüssig zwischen Gründerzentrum (GZ, alter Firmensitz) und neuem Gebäude (GG) hin und her.

Mitarbeiter 1 (M1) steht noch neben dem alten Firmensitz (GZ), ganz getrennt vom neuen Gebäude (GG).

Mitarbeiter 2 (M2) steht nahe beim Hintergrund des Problems (HP) und scheint mit diesem „mitzuschwingen“. Es geht der Stellvertreterin M2 nicht gut und sie kniet sich hin.

Der Hintergrund des Problems (HP) ist eng mit dem neuen Gebäude (GG) verbunden und schwankt stark.

L=Aufstellungsleiter, andere Abkürzungen wie oben:

L (zu HP): Wenn du nicht gegen das Schwanken ankämpfen würdest, was würdest du dann am liebsten tun?

HP: Mich hinlegen.

L: Mach es mal.

HP legt sich auf dem Boden auf die Seite und schaut das neue Gebäude (GG) an.

L (zu HP): Was ist bei dir, wenn du den neuen Firmensitz anschaust?

HP: Mmmh … so etwas wie ‚Faszination der Angst‘ …

L (zu HP): Was meinst du damit?

HP: Ich habe Angst, wenn ich da hinschaue, aber ich kann auch nicht wegschauen.

L (zu GG): Wende dich mal HP zu und schaue ihn an!

GG wendet sich HP zu und schaut ihn verächtlich an. M2 schlägt die Hände vors Gesicht.

L (zu M2): Was ist bei dir?

M2: Ich habe Angst, dass gleich etwas Schlimmes passiert, etwas Grausames …

L (zu M2): Brauchst du Unterstützung oder geht es so?

M2: Ich kann es aushalten …

Die Agentur (A) weicht zwischenzeitlich näher zum alten Firmensitz (GZ).

Mittlerweile sieht es so aus:

Bettina 2

Abbildung 2: Zwischenbild 1

Die Aufstellung hat sich zu einer Täter-Opfer-Aufstellung gewandelt. Um das klarer herauszustellen, nehme ich einen weiteren Stellvertreter als Täter (T) hinzu. Der Hintergrund des Problems (HP) ist hier das Opfer. M2 ist in Resonanz mit dem Opfer.

Beim folgenden Versöhnungsversuch zwischen Täter und Opfer bleibt der Täter stur und in seinen Verstrickungen gefangen.

Wir gehen den Weg über Abgrenzung vom Täter und Würdigung des Opfers:

Dafür verbeugen sich Bettina, die beiden Mitarbeiter und die Agentur vor dem Opfer (HP) und geben ihm die Ehre.

Wir wissen nicht, was hier vorgefallen ist, aber in dem Gebäude ist wahrscheinlich – so wie es sich hier in der Aufstellung gezeigt hat – ein oder mehrere Verbrechen geschehen, die im Feld des Gebäudes gespeichert sind.

Abschließend schicke ich Täter und Opfer vor die Tür, sodass sie eventuell dort zur Versöhnung finden können.

Aber das war nur ein Teil der ‚Unordnung‘ hier:

Ich bitte Bettina für den Rest der Aufstellung selbst ihre Rolle einzunehmen.

L: Agentur, Bettina, M1 und M2: stellt euch mal in einer Reihe gegenüber vom alten Firmensitz.

Sie tun es.

Bettina 3

Abbildung 3: Zwischenbild 2

L: Es geht jetzt darum, sich vom alten Firmensitz in Frieden zu verabschieden. Ihm für alles zu danken, was ihr dort erleben und erfahren durftet. Ich gebe euch einen Satz vor. Ihr könnt ihn benutzen oder mit eigenen Worten formulieren. Bettina, sprich du bitte laut, die anderen in Gedanken!

B: OK.

L: Danke für alles, was ich dort erleben und erfahren durfte. Es war eine tolle und spannende Zeit. Du wirst einen wichtigen Platz in meinem Herzen einnehmen. Schau freundlich auf uns, wenn wir jetzt in das neue Gewerbegebiet gehen.

Bettina sagt es mit ihren eigenen Worten und verdrückt ein, zwei Tränen dabei.

L: OK, lasst das auf euch wirken, und wenn ihr bereit seid, dreht euch um zum neuen Firmensitz und geht ganz langsam in eurem Tempo darauf zu, bis ihr alle dort angekommen seid.

Sie tun es.

Abschließend bitte ich sie mit dem neuen Firmensitz (GG) in die Mitte und nehme noch einen Stellvertreter für die Zukunft (Z) dazu.

Bettina 4

Abbildung 4: Schlussbild

Dadurch, dass jetzt alle einen Blick auf die Zukunft werfen, ist der Weg für einen Neuanfang bereitet. Gestärkt werden sie durch den wohlwollenden Blick des alten Firmensitzes (GZ) in ihrem Rücken.

Ich lasse sie noch zusammen einen Gleichschritt auf die Zukunft zu machen und beende die Aufstellung.

 

Prägung von Orten (Gebäuden/Grundstücken)

Bewohnte und genutzte Gebäude und Grundstücke werden durch die Anwesenheit von Menschen (aber auch von Tieren) in ihrem Feld geprägt. Kommt es zu einem gravierenden Ereignis, wird dieses im ‚Feld‘ des Ortes gespeichert und wirkt auf die dort lebenden Menschen ein. Das passiert – zeitlos – so lange, bis es zu einem ‚Ausgleich‘ kommt bzw. das Gravierende ‚erlöst‘ wird.

 

Beispiele für Prägungen und Belastungen von Immobilien

– Wenn ein Besitzer unrechtmäßig enteignet wird und ein anderer daraus einen Vorteil zieht, wirkt sich diese Ungerechtigkeit auch auf spätere Besitzer aus. Paradebeispiel hier sind die Enteignungen der Häuser von Deutschen jüdischen Glaubens oder Abkunft.

– Auch bei einem rechtmäßigen Erwerb einer Immobilie, wobei der vorherige Eigentümer aus einer Notlage heraus weit unter Wert verkauft, kann es zu negativen Prägungen im Feld kommen.

– Bei Gewerbeimmobilien kann wie bei einer Art Identifizierung mit dem Alteigentümer, der Bankrott gegangen ist, dessen Schicksal nachgelebt werden.

– Bei schwierigen Scheidungen kann z. B. das Haus, wenn einer gegen den Verkauf war, belastet sein.

– Vererbte Immobilien können auch nicht richtig von ihren alten Besitzern freigegeben worden sein und so wird deren richtige Nutzung blockiert.

 

Immobilien haben eine Art Seele (oder neutraler (Wirk-)‚Feld‘)

In Aufstellungen zeigt sich immer wieder über die Rückmeldung von Stellvertretern, dass ein Haus oder Grundstück eine Art Seele hat und gepflegt, gewürdigt und geachtet werden will.

Alte Belastungen/Vorkommnisse, die auf oder in Immobilien stattgefunden haben, lassen sich in Aufstellungen über Stellvertreter genauso heilen und auflösen als würde man mit einem Menschen arbeiten.

 

Rückmeldung von Bettina

Bettina hat sich später bei mir gemeldet und mir berichtet, dass jetzt alles wieder normal laufe.

Sie hatte auch beim Liegenschaftsamt nachgeforscht: das Gebäude, in dem ihre Agentur ist, war früher das Kasernengefängnis. Es war schon seit über 100 Jahren von Anfang an als Gefängnis benutzt worden. Was hier im Einzelnen geschah, lässt sich heute nicht mehr nachvollziehen, aber wenn man allein an die Zeit der Nazi-Diktatur denkt, sind Gräueltaten und Folterungen dort durchaus wahrscheinlich.

 

Eine Immobilie kann auch eine Ressource sein

Jetzt haben wir uns lange mit belasteten Immobilien befasst. Es ist aber neben Neutralität auch durchaus möglich, dass ein Haus oder Grundstück eine Familie oder Person stärkt und unterstützt.

Wer eine solche, stärkende Immobilie sein eigen nennen kann, darf sich glücklich und gesegnet schätzen.

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