Rückenschmerzen loslassen - Marc Baco
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Rückenschmerzen loslassen

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© WavebreakMediaMicro - Fotolia.com

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„Manchmal kommen mir vor Schmerz die Tränen und ich bete innerlich, dass die Schmerztablette endlich anfängt zu wirken …“

„Haben die Rückenschmerzen zu einem bestimmten Zeitpunkt angefangen oder waren sie schon immer da?“

„Also, als Kind weiß ich nicht mehr, aber meine Mutter hat mir erzählt, dass ich schlimme Wachstumsschmerzen gehabt haben muss. Ich kann mich an eine Zeit ohne Schmerzen nicht erinnern.“

„Gut, wir schauen uns das genauer an …“

Chronische Rückenschmerzen

Mehr als 5 Mio. Deutsche leiden an mehr oder minder schweren, chronischen Rückenschmerzen. In diesem Artikel soll es nicht um gesundheitliche Aspekte von Rückenschmerzen gehen oder einer medizinischen Ursachenforschung (fehlerhafte Kieferstellung, Bandscheibenvorfall etc.), sondern um Hintergründe aus systemischer Sicht.

Rückenschmerzen beim Familienstellen

Während bei unspezifisch auftretenden Rückenschmerzen laut Hellinger eine verweigerte Verneigung gegenüber den Eltern seitens des Klienten fehle, kann bei chronischen Rückenschmerzen die Verstrickung mit einer familiären Schuld (z. B. Verbrechen) eine Rolle spielen.

© Klaus Eppele - Fotolia.com

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In den von mir erlebten und geleiteten Aufstellungen kam jedoch überwiegend eine fremde Last zum Vorschein, die eher etwas mit verdrängten und verschwiegenen Schicksalen in den Familien zu tun hatte (plötzlicher Kindstod, Abschiebung in ein Heim für Behinderte (und denjenigen verleugnen), usw.).

Gerdas Aufstellung

Gerda ist eine 55jährige Frau vom Land. Sie bewirtschaftet zusammen mit ihrem Mann Thomas einen mittelgroßen Bauernhof. Ihr Schwiegervater hatte seinen ältesten Sohn, ihren Mann, gezwungen, den überschuldeten Hof zu übernehmen, währenddessen er ein paar Jahre ins Ausland ging. Der Hof blieb bei Gerda und ihrem Mann und sie schafften es irgendwie, den Hof über den Berg zu bringen, sodass ein bescheidenes Auskommen möglich war.

Wir stellen zu Beginn Gerda (G), ihren Mann Thomas (T)und den Vater des Mannes (SW) auf (die Mutter war früh verstorben).

Gerda 1

Abbildung 1: Anfangsbild

Gerda an der Seite ihres Mannes ihrem Schwiegervater gegenüber. Ihr Mann Thomas senkt den Blick vor seinem Vater. Auch Gerdas Stellvertreterin kann dem Schwiegervater nichts entgegensetzen. Der Schwiegervater ist eine dominante Persönlichkeit, der alles im Griff hat und die Fäden zieht.

Es kommt kein Dialog zustande, da der Schwiegervater beiden den Mund verbietet.

Als Nächstes nehmen wir einen Stellvertreter für Gerdas Rückenschmerzen dazu.

Gerda 2

Abbildung 2: Zwischenbild 1

Die Rückenschmerzen drängen sich zwischen Gerda und Thomas, aber mit einem klaren Blick auf den Schwiegervater, der sich gelangweilt abwendet und in die Ferne schaut.

Langsam bewegen sich die Rückenschmerzen hinter den Schwiegervater, der sich abwendet, um keinen mehr anzuschauen.

Gerda 3

Abbildung 3: Zwischenbild 2

L=Leiter der Aufstellung, Rest wie oben, Gerda ist jetzt selbst in der Aufstellung

L (zu RS): Zu wem gehörst du, zum Schwiegervater?

RS: Ja!

L (zu RS): Warum bist du dann bei Gerda?

RS: Sie hat mich zu sich geholt …

L (zu G): Es zeigt sich hier in der Aufstellung, dass die Rückenschmerzen eigentlich zu deinem Schwiegervater gehören. Möchtest du die Rückenschmerzen wirklich loswerden?

G: Ja.

L (zu T): Was ist bei Thomas?

T: Ich fühle mich auch zu den Rückenschmerzen hingezogen.

L (zu G): Hat Thomas auch Rückenschmerzen?

G: Manchmal, aber nicht chronisch wie bei mir.

L (zu G): Es scheint so zu sein, dass ihr als Paar beide dem Schwiegervater die Rückenschmerzen abgenommen habt – du mehr, Thomas weniger. Jetzt ist Thomas nicht hier, aber du. Bist du bereit, dem Schwiegervater die Rückenschmerzen zurückzugeben?

G: Ja.

L (zu G): Sag es mal mit mehr Kraft und Überzeugung …

G (atmet tief durch): JA!

L (zu G): So ist gut. Bei deinem Schwiegervater brauchst du eine starke Entschlossenheit, sonst spielt er dich energetisch an die Wand.

G: Ja, allerdings.

L (zu G): OK. Nimm jetzt dieses Kissen und gebe es dem Schwiegervater zurück. Wenn er es nicht nimmt, lege es ihm vor die Füße. Mach es ganz langsam und bewusst.

Gerda 4

Abbildung 4: Endbild

Gerda geht langsam zu ihrem Schwiegervater. Dieser schaut kurz und kehrt ihr dann weiter demonstrativ den Rücken zu. Gerda schaut mich fragend an und ich ermuntere sie, weiter zu machen. Sie geht hinter den Schwiegervater und legt das Kissen hinter ihn. Dann zieht sie sich vorsichtig zurück. Thomas beobachtet das Ganze wie erstarrt.

Als Gerda an den Ausgangspunkt zurückkehrt, bitte ich sie, noch einen weiteren Schritt Abstand zu nehmen.

L (zu G): OK, spür das mal genauer in deinem Körper.

Gerda schließt die Augen und zittert leicht.

L (zu G): Wie geht es dir jetzt?

G: Besser. Die Rückenschmerzen sind weniger geworden – jedenfalls fühlt es sich so an.

L (zu G): OK. Ganz werden sie nicht so schnell weggehen, weil sich eventuell mit der Zeit auch Fehl- und Schonhaltungen verfestigt haben. Vielleicht musst du noch so etwas wie Kieser-Training und Alexander-Technik machen.

Wir beenden die Aufstellung.

Nachbetrachtung

In diesem Fall hat Gerda ihrem Schwiegervater etwas abgenommen, was nicht zu ihr gehörte. Inwieweit sie ihr Schwiegervater dazu gezwungen hat, lässt sich nicht so leicht sagen, ist aber auch nicht so wichtig für das Ergebnis der Aufstellung. Wichtig war hier, das Fremde an seinen richtigen Platz zurückzugeben und davon Abstand zu gewinnen.

© Ljupco Smokovski - Fotolia.com

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Wenn wir kurz spekulieren, könnte es so gewesen sein, dass Gerda und in geringerem Maße ihr Mann Thomas, den Schmerz des Schwiegervaters über den frühen Verlust seiner Frau „aufgenommen“ haben. Mit der Zeit zeigte sich dieser Schmerz als Rückenschmerzen. Als Gerda mit dem Kissen den Schmerz symbolisch wieder an die richtige Stelle gebracht hatte, konnte sie den Schmerz auch loslassen.

Man sollte natürlich immer vorsichtig sein bei solchen Spekulationen.

Tatsächlich ging es Gerda nach einiger Zeit immer besser und sie hat jetzt viel weniger Schmerzen und gewinnt täglich an Lebensqualität.

Ganz verschwunden ist der Schmerz noch nicht, obwohl sie mit Yoga angefangen hat. Eventuell braucht es eine weitere Aufstellung, um noch andere Sachen festzustellen, die sich im Symptom „Rückenschmerzen“ bei Gerda zeigen.

Zum Beispiel könnte sie auch einen Teil des Schmerzes ihres Mannes Thomas über den frühen Verlust seiner Mutter übernommen haben, den es zurückzugeben gilt.

Und in vertiefenden Aufstellungen könnte es sich lohnen zu schauen, warum Gerda anderer Menschen Schicksal auf eigene Kosten erleichtert.

Aber das ist eine ganz andere Geschichte …

2 Antworten : Rückenschmerzen loslassen”

  1. Hanna sagt:

    Hallo Marc,

    ich bin gerade zufällig, im Rahmen einer Recherche für einen eigenen Artikel zum Thema Familienaufstellung, auf deinen Blog gestoßen. Das sind wirklich toll dargestellte Geschichten. Danke, dass wir Einblick nehmen dürfen.

    Viele Grüße,
    Hanna

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