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Wie profitierst du als Stellvertreter am Besten von einer Aufstellung?

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© djama - Fotolia.com

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Du hast dich entschieden, wieder einen deiner Sonntage dem Familienstellen zu opfern. Frohgelaunt begrüßt du die anderen Teilnehmer.

Eine eigene Aufstellung steht nicht an, aber irgendwie merkst du unbewusst, dass es dir gut tut, bei Aufstellungen dabei zu sein.

So mag es einigen Besuchern von Aufstellungen gehen.

Dir auch?

Was wäre, wenn du von jeder Aufstellung etwas für und in dein Leben mitnehmen könntest?

Wie wäre es, wenn du dein Thema über einen anderen Menschen bearbeiten könntest, indem du an seinem Schicksal teilnimmst?

Indem du zum Beispiel aufgestellt wirst. Dabei ist es nicht wichtig, ob du als Stellvertreter für den Aufstellenden gewählt wirst oder als eine andere Person.

Es hat sich in Aufstellungen immer wieder auf „magische“ Weise gezeigt, dass eine Gruppe an einem bestimmten Aufstellungstag nicht zufällig zusammengekommen ist.

Meist haben die aufgestellten Themen mit einem oder mehreren Anwesenden ebenfalls zu tun oder sie befinden sich in einer ähnlichen Situation.

Die „schwäbisch/schottische“ Aufstellung

(Du hast das Glück, dass dein aktuelles Thema von jemand anderem aufgestellt wird und du sparst dir die Aufstellungsgebühr – sofern die Preise von Aufstellenden und Stellvertretern nicht gleich sind)

Als Stellvertreter für den Aufstellenden hast du die Möglichkeit, gefühlsmäßig einen leicht anderen Blickwinkel auf dein Thema zu bekommen.

Lösungen, die du in der Rolle erlebst, sind wie Blaupausen, die du in deinem Leben direkt anwenden kannst.

Salopp gesagt hast du eine Art Freischuss bekommen.

Wenn du Stellvertreter für einen anderen bist, bekommst du Einblicke von außerhalb. Eine externe Seite des Problems wird beleuchtet.

Hört sich alles sehr theoretisch an, weshalb ich es an einem Beispiel verdeutlichen will.

Beispiel Sorgerechtsstreit

Erika und Helmut streiten sich um das Sorgerecht für ihre gemeinsame Tochter Julia.

In einer Aufstellung versucht Erika herauszufinden, warum es zu keiner guten Lösung für alle Beteiligten kommt.

Du selbst kämpfst auch gerade um das Sorgerecht mit deinem Expartner.

Glücklicherweise wirst du als Stellvertreter/in für Erika ausgewählt.

Es stellt sich in der Aufstellung heraus, dass für Erika der Verlust des Sorgerechts einen starken Trigger darstellt.

Sie hat mit 8 Jahren ihre jüngere Schwester durch eine Lungenentzündung verloren.

Der Verlust des Sorgerechts für Julia erinnert Erika stark an ihre schlimme Erfahrung als Kind.

In mehreren Prozessschritten „entkoppelt“ der Aufstellungsleiter die beiden Ereignisse.

Er gibt Erika Raum, die abgeschnittene Trauer zu fühlen und danach zu transformieren.

Erst jetzt kann sie aus dem kindlichen Ich ins Erwachsenen-Ich wechseln und den Sorgerechtsstreit entkoppelt von der Verlusterfahrung mit ihrer Schwester neu betrachten.

Sie kann jetzt mit ihrem Mann sachbezogen und zum Wohl aller Beteiligten, v.a. für die Tochter Julia, eine gute Lösung aushandeln.

Du hast als Erikas Stellvertreterin hautnah miterlebt, wie sich das alles angefühlt hat.

 

  • Könnte es bei deinem Sorgerechtstreit nicht ähnliche „Kopplungen“ geben, die mit der Sache an sich nichts zu tun haben?
  • Haben vielleicht du oder dein Partner einen mehr oder minder starken Trigger bei diesem Konflikt, sodass ihr euch unverhältnismäßig bekriegt?

 

Nach der Aufstellung kannst du mit diesen neuen Einsichten nach Hause gehen.

Wenn du sie gut integrieren kannst, brauchst du zu diesem Thema „Sorgerechtsstreit“ wahrscheinlich keine Aufstellung mehr machen – zu deiner unverarbeiteten Verlusterfahrung evtl. schon.

 

Im anderen Fall wurdest du nicht als Stellvertreterin für die Aufstellende, sondern z. B. für die Tochter Julia gewählt.

In der Rolle spürst du vielleicht, wie sehr Julia unter dem Streit und der Trennung leidet.

Du spürst ihren inneren Loyalitätskonflikt und die Angst, sich zwischen Vater und Mutter entscheiden zu müssen –, obwohl sie doch beide liebt.

Mit dieser Erfahrung als Stellvertreterin für Julia und dem Beiwohnen der Lösung bei Julias Mutter Erika kannst du ebenfalls heilsame Einsichten gewinnen.

Nimmst du diese mit in den Leben, kannst du deinen eigenen Sorgerechtsstreit einfühlsamer und zum Wohle aller Beteiligten entschärfen und lösungsorientiert herangehen.

Und selbst wenn du keine Stellvertreterinnenrolle in der Aufstellung hattest, kannst du als Zuschauer alle wichtigen Erkenntnisse in dich aufnehmen und mit nach Hause nehmen.

 

FAZIT:

Du siehst: egal in welcher Position du dich bei einer Aufstellung befindest

– ob als Aufstellende/r,

– als Stellvertreterin der/des Aufstellenden,

– als andere/r Stellvertreter/in

– oder als Zuschauer/in

du kannst immer profitieren, wenn du die Erfahrung integrieren kannst.

Für mich selbst kommt dabei noch ein weiterer Aspekt zum Tragen:

Ich fühle mich nach einem Aufstellungstag mit anderen Menschen/den Teilnehmern und allgemein der Welt stärker verbunden.

Dann bekomme ich aus eigener Erfahrung eine Ahnung, was der Satz „Alles ist eins“ wirklich bedeutet …

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