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Mobbing – Wie Familiäres auf deinen Arbeitsplatz einwirkt

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© Dan Race - Fotolia.com

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„Es fing mit kleinen Streichen an: erst klebte mein Anspitzer am Schreibtisch, dann war mein Bürostuhl so präpariert, dass ich beim Hinsetzen runterfiel.

Ich bin alleinerziehende Mutter mit zwei Kindern. Ich dachte zuerst: ‚Da musst du halt durch.‘

Dann kam die Fusion mit der anderen Krankenkasse, Sozialauswahl.

Eine beliebte Kollegin musste gehen, obwohl sie länger als ich da war – sie hatte keine Kinder.

Ab da wurde es für mich zur Hölle …“

Imke erzählt blass vom Mobbing an ihrem Arbeitsplatz.

Allgemeines zum Mobbing (nach wikipwedia: https://de.wikipedia.org/wiki/Mobbing )

Umgangssprachlich ausgedrückt bedeutet Mobbing, dass jemand – zumeist am Arbeitsplatz, aber auch in anderen Organisationen – fortgesetzt geärgert, schikaniert, in passiver Form als Kontaktverweigerung mehrheitlich gemieden oder in sonstiger Weise in seiner Würde verletzt wird. Eine allgemein anerkannte Definition gibt es nicht. Die meisten Forscher betonen laut Christoph Seydl folgende Gesichtspunkte:

Verhaltensmuster: Mobbing bezieht sich auf ein Verhaltensmuster und nicht auf eine einzelne Handlung. Die Handlungsweisen sind

© Denis Junker - Fotolia.com

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systematisch, das heißt, sie wiederholen sich ständig.

Negative Handlungen: Mobbingverhalten kann verbal (zum Beispiel Beschimpfung), nonverbal (zum Beispiel Vorenthalten von Informationen) oder physisch (zum Beispiel Verprügeln) sein. Solche Handlungen gelten üblicherweise als feindselig, aggressiv, destruktiv und unethisch.

Ungleiche Machtverhältnisse: Die Beteiligten haben unterschiedliche Einflussmöglichkeiten auf die jeweilige Situation. Eine Person ist einer anderen Person unter- beziehungsweise überlegen. Dazu ist kein Rangunterschied nötig. Eine Ungleichheit kann durch die bloße Anzahl bedingt sein: Viele Personen gegen eine Person.

Opfer: Im Handlungsverlauf bildet sich ein Opfer heraus, das infolge ungleicher Machtverhältnisse Schwierigkeiten hat, sich zu verteidigen.

 

Verlaufsformen und Verbreitung

Am Arbeitsplatz wird zwischen Mobbing seitens Vorgesetzter und solchem, das von Mitarbeitern gleicher oder unterer Rangfolge ausgeht, unterschieden. In der Literatur wird ersteres teilweise als „Bossing“ (englisch downward bullying) und letzteres als „Staffing“ (englisch upward bullying) bezeichnet. Der Psychoterror, der von in der betrieblichen Hierarchie höher platzierten Personen ausgeübt wird, kommt in Deutschland in 40 %der Fälle vor, in weiteren 10% Prozent mobben Chef und Mitarbeiter gemeinsam. Einige Experten gehen sogar von einer Bossing-Quote von 70 % aus. Dagegen wird nur in 2% aller Fälle ein Vorgesetzter von seinen Untergebenen gemobbt. Hinzu kommt horizontales Mobbing (englisch horizontal bullying); das heißt, der Betroffene wird von hierarchisch gleichgestellten Kollegen gemobbt. Mehr als 20 % aller Mobbingopfer bezeichnen einen Kollegen als Täter. Etwa gleich viele Betroffene geben an, dass das Mobbing von einer Gruppe von Kollegen ausgeht. Etwas weniger als 15 % aller Mobbingopfer in Deutschland sind davon überzeugt, dass sie sowohl von ihrem Vorgesetzten als auch von Kollegen gemobbt werden. Hinsichtlich der Urheber ist seitens der IG Metall folgende Häufigkeitsverteilung festgestellt worden:

44 %: Kollegen

37 %: Vorgesetzte

10 %: Kollegen und Vorgesetzte gemeinsam

9 %: Untergebene

Die Schätzungen für die momentane Zahl der Mobbingbetroffenen:

in Deutschland: 2,7 %

in der Schweiz: 4,4 %

in Österreich: 5,3 %

[Meiner Einschätzung nach als ehemaliger Konzernbetriebsratsvorsitzender sind eher die 5% von Österreich auch in Deutschland zu finden – viele verschweigen Mobbingtatbestände, „um das Feuer nicht noch mehr anzufachen“ und aus Angst um ihren Arbeitsplatz – besonders betroffen von der Dunkelziffer sind die Organisationen mit dem „Heiligenschein“: Caritas, kirchliche Stellen, Gewerkschaften, Verbände und der öffentliche Sektor sowie Non-Profit-Organisationen]

Die Zahl der Betroffenen innerhalb eines Jahres oder auf das ganze Erwerbsleben bezogen ist deutlich höher als die tatsächliche Mobbingquote.

Knorz und Zapf zeigten in ihrer Gießener Stichprobe auf, dass bei den Tätern in der Mehrzahl aller Fälle beide Geschlechter vertreten sind.[19] Andere Studien zeigen, dass die Täter hauptsächlich Männer, die Opfer dagegen mehrheitlich Frauen sind.[20] Dies mag an der höheren Erwerbstätigkeitsquote der männlichen Bevölkerung und insbesondere am Vorgesetztenstatus liegen, den Männer häufiger innehaben.[16] Außerdem sind Frauen grundsätzlich eher bereit, über Mobbing zu sprechen, sich psychische und gesundheitliche Probleme einzugestehen und Hilfsangebote wahrzunehmen. Männer betrachten Mobbing eher als zu verschweigendes individuelles Versagen.[21]

[Der Wikipedia-Artikel ist sehr gut und ausführlich, wenn sich jemand noch tiefer mit dem Thema auseinandersetzen will] https://de.wikipedia.org/wiki/Mobbing

 

Die Sicht des Familienstellens auf das Mobbing

© Trueffelpix - Fotolia.com

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Wie fast immer bei Problemen am Arbeitsplatz ist auch das Mobbing meist eine Reinszenierung von Situationen des eigenen Familiensystems.

In der Familie hat jeder das gleiche Recht auf Zugehörigkeit.

Mit dem Unterschreiben des Arbeitsvertrages hat man das temporäre Recht auf Zugehörigkeit zu einer Firma/Organisation erhalten.

Mobbing ist aus dieser Sicht ein Streitigmachen des Rechts auf Zugehörigkeit von nicht befugten Stellen. Befugt dazu sind die innerhalb der gesetzlichen Kündigungsfristen agierenden Stellen im Unternehmen, meist Personalabteilung und/oder Firmenchef.

In der Literatur des Familienstellens wird oft eine unterbrochene Hinbewegung zur Mutter als eine der wichtigsten Ursachen festgestellt.

Als zweitwichtigste Ursache eine Nachfolgedynamik zu einem Toten im Familiensystem.

Ich persönlich habe aber bisher nur Fälle beim Mobbing gehabt, wo es um Identifizierungen mit ausgeschlossenen Systemmitgliedern ging.

Das kann die lesbische Tante gewesen sein, mit der keiner was zu tun haben wollte oder auch der geistig-behinderte Bruder, der in eine psychiatrische Anstalt abgeschoben worden ist und über den man nicht redete.

Sogar frühere, große Lieben der Eltern, wie hier im Fall von Imke:

 

Imkes Aufstellung

Im Vorgespräch erkläre ich Imke den Zusammenhang zwischen Reinszenierung am Arbeitsplatz und tatsächlichem Grund im Familiensystem.

Wir stellen also gleich sie, ihre Eltern und den Hintergrund des Mobbing auf.

Imke wählt eine Stellvertreterin für den Hintergrund des Mobbing (HM).

I=Imke, M Mutter, V=Vater, HM=Hintergrund des Mobbing, L=Aufstellungsleiter

Imke 1

Abbildung 1: Anfangsbild

Imke steht zwischen ihrem Vater und ihrer Mutter. Sie schaut direkt auf den Hintergrund des Mobbings (HM). Der Vater schaut mit einem scheuen Lächeln auf HM. Die Mutter ist etwas genervt.

Im Laufe der Aufstellung stellt sich heraus, dass HM die ehemalige Verlobte des Vaters war, die er auf Druck seiner Familie ‚abserviert‘ hatte.

Imke ist mit ihr identifiziert. Das erklärt auch ihr ungesunde Position direkt beim Vater und zwischen den Eltern.

Ohne das Scheitern der Beziehung gäbe es Imke heute nicht. Ihre Existenz beruht also auf dem Unglück der ehemaligen Verlobten.

Imkes Mutter würdigt offensichtlich ihre Vorgängerin in keiner Weise, wie es aus Sicht des Familienstellens angebracht wäre.

Ich hole Imke selbst herein für die nun folgende, weitere Aufstellung.

Da es um sie geht und nicht um ihre Eltern, kann auch nur sie hier etwas Sinnvolles tun.

Zuerst lösen wir die Identifizierung mit HM, sodass sie sich als eigenständigen, handelnden Menschen erleben kann und nicht mehr verstrickt ist.

Dann geht es um die Würdigung der ehemaligen Verlobten (weiterhin HM).

L (zu I): Kannst du zu HM sagen: ‚Deinem Unglück verdanke ich mein Leben. Ich achte dein Schicksal. Bitte schau freundlich auf mich.‘

Sie sagt es.

L (zu I): Kannst du zu deiner Mutter sagen: ‚Mama, ich war mit der ehemaligen Verlobten Papas identifiziert und du musstest mich als Rivalin sehen. Jetzt bin ich ganz ich. Bitte sieh mich nur als deine Tochter. Du bist die Große und ich bin die Kleine.

Sie sagt es. Und sie und ihre Mutter umarmen sich.

Ich ordne die Personen wie folgt und beende die Aufstellung:

Imke 2

Abbildung 2: Schlussbild

Die ehemalige Verlobte steht mit etwas Abstand neben Imkes Vater. Vater, Mutter und Imke stehen jetzt in einer gesunden Anordnung nebeneinander mit dem Blick auf eine freie Zukunft.

Natürlich hätte man hier mit den Eltern arbeiten können, sodass sie die ehemalige Verlobte würdigen.

Aber da es hier um Mobbing und nur Imke da war, war es wichtiger, dass Imke als Handelnde (bei Mobbing fühlt sich das Opfer oft handlungsunfähig) die Schritte unternahm.

 

 

Nachbetrachtung

Ich riet Imke, trotzdem zumindest in eine andere Abteilung zu wechseln und sich vor allem mit dem Betriebsrat zusammenzusetzen.

Das tat sie dann auch. Sie konnte in eine andere Abteilung wechseln und erlebte seitdem kein Mobbing mehr.

Meiner Meinung nach sollte bei allen Formen des Mobbing immer zweigleisig gefahren werden: einerseits mit dem Familienstellen den wahren Grund finden und lösen, andererseits mit dem Betriebsrat und Personalbüro aktiv Lösungen suchen. Allein schon das Hinzuziehen einer weiteren Partei macht es für Mobber riskanter, ihr Tun weiterzuführen.

Schlussendlich hilft aber nur die Beseitigung der Grundursache im Familienstellen.

Das Mobbing ist übrigens aus familienstellerischer Sicht keine echte Täter-Opfer-Dynamik – auch wenn Mobbing-Opfer viel Leid und Druck erfahren.

Wichtig ist es, ins Handeln zu kommen und nicht alles hinzunehmen.

Es gibt Lösungen, es kann aufhören.

Trau dich!

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